Wilhelm Leuschner: „Zigeunerplage ausrotten!“ – JU: Leuschner als Namensgeber noch geeignet?

(rw) „Soll eine Wiesbadener Schule den Namen eines Politikers tragen, der das „Gesetz zur Bekämpfung des Zigeunerwesens“ zu vertreten hat? Eignet sich ein Politiker als Namensgeber für die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, der für die Ausrottung der Zigeunerplage eintrat?“ Mit diesen Worten thematisiert der Kreisvorsitzende der Jungen Union Wiesbaden, Stefan Spallek die dunklen Seiten des Wilhelm Leuschner.

Wer heute den Namen „Wilhelm Leuschner“ hört, denkt zuerst an den Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. „Und das mit Recht! Leuschner hat sich mit seinem Einsatz gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft bleibende Verdienste erworben. Das soll und kann durch nichts in Abrede gestellt werden“, versichert der JU-Vorsitzende. Die Biographie eines Menschen sei aber niemals nur weiß oder nur schwarz. „Und auch bei Wilhelm Leuschner gibt es Schattenseiten“, stellt Stefan Spallek fest. Als Innenminister des damaligen „Volksstaates Hessen“ habe er am 21. März 1929, also noch zur Zeiten der Weimarer Republik, das „Gesetz zur Bekämpfung des Zigeunerwesens“ in den Landtag eingebracht. In der Begründung für das Gesetz habe Wilhelm Leuschner versprochen, die „Zigeunerplage“, so wörtlich, einer einheitlichen Bekämpfung zuzuführen, da trotz energischen Vorgehens eine Ausrottung des Übels bisher nicht möglich gewesen sei.

Auch Personen in der Wiesbadener Stadtgeschichte wiesen Licht und Schatten auf, wenngleich interessierte Kreise Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Der im letzten Jahr verstorbene Hans Hirzel habe in seiner Jugendzeit zum Widerstandskreis der Weißen Rose gehört, habe 1994 als Bundespräsident für die Partei „Die Republikaner“ kandidiert. „In seiner Zeit als Wiesbadener Stadtverordneter wurde Hans Hirzel stets nur auf den Ex-Republikaner reduziert, die anderen Seiten seines langen Lebens wurden ausgeblendet“, erinnert sich Stefan Spallek, selbst Mitglied der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung.

Aktuell werde das Wirken des Wiesbadener Altoberbürgermeisters Dr. Erich Mix thematisiert, der nicht nur von 1954 bis 1960 für die FDP Stadtoberhaupt war, sondern während der Nazizeit dieses Amt schon einmal innehatte. Auf Wunsch der SPD solle neben dem Mix-Bild in der Ahnengalerie der Wiesbadener Oberbürgermeister eine Informationstafel angebracht werden, die auf die NSDAP-Aktivitäten verweisen solle. „Passt ein langes Leben auf eine kleine Info-Tafel? Schwarz-Weiß-Malerei ist hier nicht angebracht. Das wäre gegenüber dem Menschen Erich Mix ebenso unangemessen als wenn man Wilhelm Leuschner auf den Zigeunerjäger reduzieren wollte“, mahnt der JU-Vorsitzende zur Ausgewogenheit.

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